Mein Casinogewinn vor drei Jahren brachte mich nicht ins Fernsehen sondern auch nach China. Nein, nicht wie Sie jetzt meinen, ich bin bei keiner chinesischen TV-Show aufgetreten, aber ich musste für die Produktion meines Abflussfilters nach Asien reisen.

Es wurde bereits beim ersten Treffen mit den Investoren klar, eine Serienproduktion meiner Entwicklung in Europa würde das Produkt vie zu teuer machen, also gab es nur einen Weg: Ab nach China!

Ich muss zugeben, ich war bis dato noch nie außerhalb Europas verreist, ja ich war bisher auch zweimal geflogen und das waren zwei Sommerurlaube auf Mallorca in meinen frühen Zwanzigern. Und jetzt sollte es plötzlich nach China gehen. In ein Land dessen Sprache ich nicht spreche, in ein Land wo ich nicht einmal mit meinem Schulenglisch weiterkomme, in ein Land wo Sie komische Dinge und sogar Hunde essen und in ein Land, das sogar eine andere Schrift hat wie wir.

Als die Investoren sagten, ich müsse nach China fliegen, viel mir est mal das Herz in die Hose. Ich dachte: “Ich der Hausmeister aus Bamberg in China, da find ich mich doch nie zurecht!” Doch letztendlich war es nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Einer der Investoren stellte mir nämlich seinen Einkäufer zu Seite, um mich nach China zu begleiten.

Rudi, der Einkäufer, war schon oft in China und so lag meine Aufgabe nur alleine darin, die technischen Details mit dem Produzenten zu klären, den Rest übernahm Rudi.

Ich weiß es noch genau, es war ein düsterer Novembertag, als wir in Shanghai landeten. Als wir mit dem Taxi vom Flughafen in die Innenstadt zu unserem Hotel fuhren, wusste ich nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Solche Wolkenkratzer kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, aber in Wirklichkeit war das natürlich nochmals ganz was anderes. So viel Verkehr und scheinbar so viel Chaos, und dennoch lief es irgendwie. Und dann die ganzen bunten Lichter.

Am nächsten Morgen führte mich Rudi auf den Markt und ich sah so viele eigenartige Dinge, welche die Menschen alle kauften um sie zu essen. Da waren zum Beispiel die Eier, die in Urin eingelegt waren, oder die Hühnerfüße, vieles konnte ich erst gar nicht identifizieren.

Ich war sehr skeptisch, bei allem was es so auf Straßenständen zum Essen gab, immerhin hatte ich ja auch ständig im Hinterkopf, dass die Chinesen auch Hund essen und das wollte ich auf keinen Fall. Rudi hatte schließlich Erbarmen mit mir und wir ernährten uns fortan nurmehr in Restaurants mit westlicher Küche.

Die Lieferantentermine verliefen ganz unproblematisch, Rudi übernahm die Verhandlungen und ich erklärte dem Produktionsleiter, warum welches Detail wie sein musste. Natürlich musste mir Rudi mit sämtlichen technischen Ausdrücken auf Englisch aushelfen, und trotzdem machte mich die ganze Situaton weniger nervös als gedacht.

Am Abend entführte mich mein Reisepartner auf eine sogenannte Rooftop-Bar. Wir tranken Cocktails auf der Terrasse des 67. Stockwerks eines Hotels. Es war unglaublich, unter uns die ganzen bunten Lichter, die Skyline von Shanghai und dazu die knallbunten Drinks. Nur mit den Chinesinnen konnte ich so gar nichts anfangen.