Wer meine Geschichte kennt, der weiß, dass ich in den letzten Jahren einen unglaublichen Wandel vom Hausmeister zum Unternehmer machte. Erst ein Gewinn im Casino gab mir den Anstoß meine jahrelange Entwicklung zum Patent anzumelden und dann folgte ein Schritt dem anderen: Durch die Teilnahme an einer Fernsehshow gewann ich zwei Investoren, die mich bei der Unternehmensgründung und im Markenaufbau unterstützten und so war ich fast über Nacht vom Hausmeister zum Unternehmer geworden.

Wenn ich meine Geschichte erzähle, merke ich immer wieder, wie viele Mythen es rund um das Unternehmertum gibt. Um ehrlich zu sein, ich hatte früher auch eine ganz andere Vorstellung von Firmeneigentümern. Für alle die auch überlegen, ein Unternehmen zu gründen oder die Unternehmer, die “ja alles haben” beneiden, gebe ich einen kleinen Einblick in mein Unternehmerleben.

Umsatz ist nicht gleich Gewinn

Wenn man sich so wie ich in seinem Leben bisher nicht mit betriebswirtschaftlichen Daten auseinandergesetzt hatte, dann können so manche Kennzahlen am Anfang ganz schön blenden. Es hört sich doch toll an, wenn man 400.000 Euro Jahresgewinn macht, da kommt man schon mal auf die Gedanken, was man mit dem ganzen Haufen Kohle macht. Doch glücklicherweise hat mir einer der Investoren auch einen betriebswirschaftlichen Mentor zur Seite gestellt. Da wurde mir schnell bewusst, dass der Umsatz nichts darüber aussagt, wie viel Geld am Jahresende dann tatsächlich auf dem Bankkonto ist. Denn um etwas zu verdienen, muss man auch ganz schön investieren. Da wären zum Beispiel die Kosten für Produktdesign, Marketing, Produktion, Verpackung, Transport, Listing-Gebühren in Baumarktketten usw. Natürlich gibt es dann auch noch Kosten für Personal und Sozialversicherung. Wenn dann am Jahresende noch ein kleines Häufchen von den ursprünglichen 400.000 Euro übrig bleibt, dann möchte davon auch das Finanzamt noch einen kräftigen Bissen mitnaschen.

Nach einem Jahr habe ich mehrere betriebswirtschaftliche Kurse besucht und genau das würde ich jedem Unternehmensgründer, dem dieses Wissen ebenfalls fehlt, auch ans Herz legen. Denn nichts ist peinlicher, als keinen Überblick über seine Finanzen zu haben.

Eine Platzierung im Handel kostet Geld

Auch hier bin ich sehr naiv an die Sache rangegangen. Ich dachte mein tolles Produkt wäre Grund genug, dass es die Baumärkte gerne in ihr Sortiment aufnehmen. Ich hatte Glück, sie waren von meiner Entwicklung auch überzeugt, doch trotzdem durfte ich lernen, dass erst mal ganz schön viel Geld über den Tresen wandern muss, bis das eigene Produkt ein schönes Plätzchen im Baumarkt findet. In der Fachsprache, so durfte ich lernen, heißt dies Listinggebühr und ist nicht nur in Baumärkten sondern auch im Lebensmittel- und Elektroeinzelhandel üblich.

Überraschungen, nichts als Überraschungen

Wer mit Überraschungen, die nicht ganz so positiv sind, nicht gut umgehen kann, der sollte vom Unternehmertum lieber Abstand halten. Trotz bester Planung, passieren fast wöchentlich Dinge, die nicht so laufen wie gedacht – und meist kann man selbst nicht einmal etwas dafür. Da gibt es zum Beispiel Demonstrationen, die für 2 Tage den ganzen Verkehr lahmlegen und dadurch die eigenen Lieferungen verzögern oder Materialprobleme, weil der Hersteller unabgesprochen einen billigeren Rohstoff eingesetzt hat und da gibt es plötzlich eine Absatzflaute, ohne ersichtlichen Grund. Die Kunst ist, sich von kleinen Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen, sie gehören zum Unternehmertum!